Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) plant die Haltestelle Hauptfriedhof barrierefrei auszubauen. Doch was so positiv klingt, ist eigentlich ein kompletter Umbau des komplexen Kreuzungsbereichs der Röntgenstraße zwischen Hauptfriedhof und Uniklinikum, verbunden mit klimaökologischen Folgen und hohen Kosten für die Stadt Mannheim.
Unter dem Titel des Planfeststellungsverfahrens: „Barrierefreier Ausbau der Haltestelle Hauptfriedhof“ sind neben der Modernisierung der Bahnsteige und zwei neuen Ampelübergängen an der Röntgenstraße noch viele weitere Maßnahmen vorgesehen: Für die Vergrößerung der Wendeschleife der Stadtbahnen und die Verlängerung eines Abstellgleises soll die Röntgenstraße in Fahrtrichtung Feudenheim näher an das Klinikum und den Neckar heranrücken. Die bestehende Unterführung für Fuß- und Radverkehr muss dafür verlängert werden. Zudem soll die Röntgenstraße in der Abbiegeschleife von einer auf drei Fahrspuren verbreitert werden, um Platz für zwei weitere Bussteige zu schaffen. Dabei gibt es in den Röntgenstraße eigentlich schon zwei Bushaltestellen.
Für die Ausbaumaßnahmen sollen hunderte Quadratmeter Grünflächen versiegelt und 10 große Laubbäume gefällt werden. Aus klimaökologischer Sicht ist das nach Erkenntnissen aus dem diesjährigen Hitzesommer ein Alptraum. Das musste die RNV gerade selbst durch Gleisverwerfungen aufgrund von Hitzeschäden just an der Haltestelle Hauptfriedhof erfahren. Und auch Fahrgäste stehen lieber im Schatten als in überhitzen Wartehäuschen aus Glas inmitten versiegelter, aufgeheizter Flächen.
Die Kosten der gesamten Umbaumaßnahme werden in den Informationsvorlagen der Stadt mit 19 Millionen Euro angesetzt, wovon die klamme Stadt Mannheim 8 Millionen selbst tragen soll. Dabei wäre eine zeitnahe kleine Lösung für einen barrierefreien Zugang zu Bus und Stadtbahn sicher sinnvoller.
Der ÖPNV hatte in der letzten Verkehrserhebung 2023 nur noch einen Anteil von 10 Prozent bei der Verkehrsmittelwahl an den innerstädtischen Wegen. Die Attraktivität des sonst so umweltfreundlichen ÖPNV muss dringend wieder steigen. Dazu gehören auch gut zugängliche, schattige Haltestellen. Der Klimawandel und die Folgen von Umbaumaßnahmen für das Stadtklima müssen dabei viel stärker in die Planungen einbezogen werden.
Die vollständige Stellungnahme des Umweltforums zur Umweltprüfung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens „Barrierefreier Ausbau der Haltestelle Hauptfriedhof“ ist hier abrufbar.

