Verschläft Mannheim die Verkehrswende?

Datum: 
19.11.2019

Umweltforum fordert: Für den Klimaschutz muss mehr in den Ausbau des ÖPNV investiert werden!

Seit Jahren stagnieren die Fahrgastzahlen bei der Verkehrsgesellschaft Rhein-Neckar Verkehr (RNV). Die Investitionen in den ÖPNV der letzten Jahre haben offensichtlich nicht dazu geführt, eine langfristige Fahrgaststeigerung zu erreichen und so zur Verkehrswende beizutragen.

Trotz der Modellstadt Mannheim kommt die Verkehrswende in Mannheim nicht ausreichend voran - auch wenn im Rahmen des Modellstadt-Projekts die Fahrgastzahlen im ersten Halbjahr 2019 leicht gestiegen sind. Das Projekt läuft Ende 2020 aus und damit stehen die verbesserten Angebote und die günstigeren Tickets vor einer ungewissen Finanzierung. Zudem hat der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zum 1. Januar 2020 eine Fahrpreiserhöhung angekündigt.

 Eine „unerwartete“ Erkenntnis aus dem Modellstadt-Projekt ist, dass vor allem ein verbessertes ÖPNV-Angebot zu mehr Fahrgästen führt. Erst mit einem umfangreich ausgebauten Nahverkehr macht es Sinn, über günstige Preise wie zum Beispiel ein 365 Euro-Ticket zu diskutieren.

Im „Dringlichkeitsplan zur Beschleunigung von Klimaschutzmaßnahmen“ der Stadt Mannheim heißt es zum Thema ÖPNV:  „…mit konsequentem Ausbau, verbesserten Anbindungen und passenden Tarifen werden die Voraussetzungen für eine klimaverträgliche Änderung des Mobilitätsverhaltens geschaffen.“

Das Umweltforum fordert deshalb für Mannheim:

  • Eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen im ÖPNV bis 2030 und ein konkretes Programm, wie dieses Ziel erreicht werden kann.
  • Eine innerstädtische Nord-Süd-S-Bahn auf DB-Gleisen soll die Stadtteile im Mannheimer Norden deutlich schneller mit denen im Mannheimer Süden verbinden
  • Mannheim lebt auch von den Pendlern. Die Schaffung eines attraktiven Park &Ride-Systems entlang der S-Bahn-Stationen in der Region ist deshalb besonders wichtig. Wenn mehr Leute die S-Bahn nutzen, verliert die Diskussion um eine dritte Rheinquerung an Bedeutung und es wird leichter, die Einschränkungen bei den Hochstraßensanierungen in Ludwigshafen zu verkraften.
  • Die Regionalexpress-Linien sollen nicht in Mannheim-Hauptbahnhof enden, sondern durchgebunden werden (SÜWEX, Rhein-Main-Neckar-Express, Nordbaden-Express und Hessen-Express).
  • Das Modellstadt-Projekt hat nochmals die hohe Attraktivität eines 10-Minuten-Taktes gezeigt. Ein 10-Minuten-Takt soll deshalb auf allen Straßenbahnlinien und den wichtigsten Buslinien eingerichtet werden.
  • Die Inbetriebnahme der Straßenbahn nach Franklin darf nicht verzögert werden. Geplant ist bisher, dass die Straßenbahn ab Ende 2022 fahren soll. Auch hier sollte von Anfang an ein 10-Minuten-Takt eingerichtet werden.
  • Zur Verkehrswende gehört auch der zeitnahe Bau der Straßenbahn auf das Neubaugebiet und BUGA-Gelände Spinelli. Auch das Verkehrskonzept für die BUGA 2023 ist längst überfällig.
  • Wichtig ist, jetzt die zentrale Infrastruktur für den Ausbau des ÖPNV zu schaffen: Der vorgesehen Neubau der BBC-Brücke muss zum Anlass genommen werden, dort einen neuen Umsteigebahnhof von der Straßenbahn zur darunter liegenden, neu zu errichtenden S-Bahn-Station Mannheim-Käfertal zu bauen. Auch der Umbau der Straßenbahnhaltestelle am Hauptbahnhof als zentraler Verkehrsknoten im Mannheimer ÖPNV-Netz muss zukunftsfähig geplant werden.Die Kapazitäten der aktuellen Planungen reichen für eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 nicht aus.

Mehr Mut und neue Ideen sind gefragt, damit es zu einer wirklichen Verkehrswende kommt!

Die Beschlussvorlage der Stadt Mannheim: Ziel: Klimaneutralität. Dringlichkeitsbeschluss zur Beschleunigung von Klimaschutzmaßnahmen ist hier abrufbar: Beschlussvorlage V446/2019: