Umweltprüfung vor Bebauung des Friedrichsparks

Datum: 
28.10.2020

Umweltforum fordert qualifizierte Untersuchung der Umweltauswirkungen für die Bauvorhaben der Universität

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Studien und Konzepte erstellt, die die Folgen des Klimawandels für Mannheim erträglicher machen sollen. Dazu gehören die Stadtklima-analyse und das Konzept zur Klimafolgenanpassung für Mannheim. Wenn es dann um konkrete Projekte geht, müssen die wichtigen Schlussfolgerungen dieser Untersuchungen oft anderen Prioritäten weichen. So auch für das Vorhaben der Universität Mannheim zur Bebauung des Friedrichsparks und dem Bau des Universitätsrechenzentrums nördlich der Bismarckstraße. Die Fläche, auf der das Rechenzentrum im Quadrat A5 gebaut werden soll, gehörte ebenfalls einmal zum Friedrichspark.  

Das Bauvorhaben im Friedrichspark für zunächst drei Gebäude soll nun in einem beschleunigten Verfahren nach § 13a Baugesetzbuch (Bebauungspläne der Innenentwicklung) ohne Umweltprüfung durchgeführt werden. Das bisher vorgelegte Klimagutachten und das Baumgutachten decken offene Fragen jedoch nur teilweise ab. Das geplante Universitätsrechenzentrum soll sogar nach § 34 Baugesetzbuch (im Zusammenhang bebaute Ortsteile) ganz ohne Aufstellung eines Bebauungsplans errichtet werden, obwohl die bisher baumbestandene Fläche im aktuellen Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen ist.  

Die Mannheimer Quadrate gehören nach Angaben der Stadtklimaanalyse zu den bioklimatischen Belastungsgebieten, für die es im Innenstadtbereich nur wenige begrünte Ausgleichsflächen zur Kaltluftentstehung gibt. Der Schlosspark, zu dem der Friedrichspark gehört, ist neben der Parkanlage am Wasserturm eine der wenigen Flächen nahe den Quadrate, die die sommerliche Hitze vor allem nachts reduzieren helfen. Die rund 300 teilweise alten und großkronigen Bäume im Friedrichspark binden klimaschädliches Kohledioxid, produzieren Sauerstoff und filtern Schadstoffe aus der Luft.  Die geplanten Ersatzpflanzen werden viele Jahrzehnte benötigen, bis sie die gleiche Funktion erreichen können.

Das Umweltforum fordert deshalb:

  1. Durchführung einer qualifizierten Umweltprüfung für die Bebauung des Friedrichsparks. Dabei müssen auch die Auswirkungen des Vorhabens auf die menschliche Gesundheit durch eine weitere städtische Überwärmung in heißen Sommernächten und fehlende Ausgleichs- und Erholungsräume untersucht werden.
  2. Einbeziehung des geplanten Universitätsrechenzentrum in A5 in die Umweltprüfung.
  3. Errichtung von maximal drei Gebäuden im Friedrichspark nur in Verbindung mit weiteren Planungsänderungen und Ausgleichsmaßnahmen. Dazu gehören: 
  4. Die Verlegung des geplanten Universitätsrechenzentrums, z.B. an den Verbindungskanal oder in oder anstelle des darunter liegenden Bunkers in A5 und Begrünung der darüber liegenden Flächen. Eine Verlegung in den Bunker würde zu einer deutlichen Verminderung des Energieverbrauchs für das Rechenzentrum für die Kühlung von Servern führen. 
  5. Die Durchführung weiterer Ausgleichsmaßnahmen wie die Begrünung des Mensa-Daches der Universität (bisher Kiesfläche) und Fassadenbegrünung der drei neuen Universitätsgebäude im Friedrichspark. Errichtung der drei neuen Gebäude mit höchstem Energiestandard (Passivhausstandard).

Die vollständige Stellungnahme des Umweltforums zum Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Entwicklung des Friedrichsparks und der Universität Mannheim“ vom 19.10.2020 kann hier abgerufen werden.