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Parteien antworten auf Wahlprüfsteine des Umweltforums
Mannheim, den 25.5.2009:
Mit Spannung sieht das Umweltforum der umweltpolitischen
Arbeit des neuen Gemeinderates entgegen, der am 7.6.2009
gewählt wird. Alle befragten Parteien und viele
Kandidaten antworteten auf die Wahlprüfsteine des
Umweltforums. Bündnis 90/DIE GRÜNEN sowie
Die Linke unterstützen alle Vorschläge der
Umweltverbände. Auch bei CDU, SPD, Mannheimer Liste
und FDP gibt es viel Anklang für den Umwelt- und
Naturschutz. Allerdings unterstützen diese vier
Parteien den Bau von Block 9, der mit den Zielen des
Klimaschutzes nach Einschätzung des Umweltforums
unvereinbar ist.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
Alle Parteien unterstützen
die Forderung des Umweltforums nach der Fertigstellung
des Nachhaltigkeitsberichtes der Stadt Mannheim.
Die Stadt Mannheim hat im Jahre 1997 die Charta von
Aalborg unterschrieben und unterstützt die „Lokale
Agenda 21“. Im Dezember 2001 erstellte eine fachübergreifende
Arbeitsgruppe aus Stadtverwaltung und Bürgerschaft
den Entwurf des Mannheimer Nachhaltigkeitsberichtes,
der Aufschluss über den Stand und die Entwicklungserfordernisse
der „Lokalen Agenda 21“ in Mannheim geben
sollte. Allerdings wurde der Bericht von der Stadtverwaltung
nicht fertig gestellt und liegt seitdem in der Schublade.
Mit Blick auf das eindeutige Votum der Parteien ist
das Umweltforum guter Dinge, dass das längst überfällige
Controlling-Instrument für eine nachhaltige Entwicklung
in Mannheim nunmehr fertiggestellt wird.
Bei der Energiewirtschaft sprachen
sich Bündnis 90/Die Grünen sowie Die Linke
gegen den Bau von Block 9 aus. CDU,
SPD, Mannheimer Liste und FDP unterstützen das
neue Kohlekraftwerk, das vom Umweltforum aufgrund der
absehbaren Schädigung des Klimas und angesichts
besserer Alternativen abgelehnt wird. Interessanterweise
lehnen auch die SPD-Kandidaten Thorsten
Schurse und Paul Hennze das Kohlekraftwerk ab.
Auch Das Umweltforum fordert seit
langem die Nutzung der Wärmepotentiale
auf der Friesenheimer Insel. Das dort von der
MVV betriebene Biomassekraftwerk hat einen Wirkungsgrad
von nur 29 %, vergeudet also sehr große Energiepotentiale
und das in Zeiten der Effizienzrevolution. Als sehr
erfreulich wertet das Umweltforum, dass sich alle Parteien
für die Nutzung der bislang ungenutzten Wärmepotentiale
aussprechen. Carsten Südmersen legte für die
CDU Wert auf die Feststellung , dass die Nutzung technisch
machbar und wirtschaftlich sinnvoll sein müsse.
Dazu regt das Umweltforum eine Machbarkeitsstudie an
und hat im November 2007 dem Oberbürgermeister
Dr. Peter Kurz einen Fragenkatalog geschickt. Die Umweltverbände
sind gespannt auf die Antwort der Stadtverwaltung.
Die geplante Rheinquerung
bei Altrip befürworten die CDU und die
Mannheimer Liste. SPD, Grüne, Linke und FDP sprechen
sich gegen den geplanten Tunnel bzw. die Brücke
durch das Naturschutzgebiet aus. Die CDU betont in ihrer
Antwort, dass sie zwar für die Rheinquerung bei
Altrip sei, sich allerdings gegen die Weiterführung
des Rhein-Neckar-Schnellweg B 38a durch die Feudenheimer
Au ausspreche. Das Umweltforum befürchtet, dass
nach dem Bau der Rheinquerung bei Altrip automatisch
die Forderung nach dem „Lückenschluss“
durch die Feudenheime Au kommen wird. Beide Straßenplanungen
widersprechen nach Einschätzung des Umweltforums
sowohl dem Naturschutz als auch einer vernünftigen
Verkehrs- und Stadtentwicklung.
Das Umweltforum freut sich, dass
alle Parteien die Realisierung der Stadtbahnlinie
Nord in die Gartenstadt befürworten. Einige
Kandidaten merkten an, dass wichtige Planungsinformationen
zur Finanzierung und auch zu den Auswirkungen der Stadtbahn
auf den übrigen Öffentlichen Nahverkehr fehlen.
Das Umweltforum kann diese Bedenken sehr gut verstehen
und geht davon aus, dass das Rathaus bald konkrete Planungen
vorlegt und diese öffentlich kommuniziert.
SPD, Grüne, Mannheimer Liste,
FDP und Linke unterstützen die Forderung des Umweltforums
nach der Freigabe von Einbahnstraßen für
den Fahrradverkehr in beiden Richtungen, wenn
die Verkehrsplanung dies vorschlägt. Die CDU-Fraktion
ist generell dagegen und hält dies nur in Einzelfällen
für sinnvoll; die Stadträtin Regina Trösch
(CDU) spricht sich uneingeschränkt für den
Vorschlag des Umweltforums aus. Bei der Ausweisung dieser
sog. „unechten Einbahnstraßen“ konnten
in der westlichen Innenstadt in den vergangenen Jahren
bereits gute Erfolge erzielt werden. Die Beschilderung
der Radverkehrsachsen mit Ziel- und Entferungsangaben
helfen Radfahrern bei der Orientierung im Stadtgebiet
und wird von allen Parteien unterstützt. Das Umweltforum
drängt darauf, dass die Maßnahmen zur Förderung
des Radverkehrs zügig im gesamten Stadtgebiet umgesetzt
werden.
Alle Parteien wollen das Aufeld
erhalten und setzen sich für den Stopp der Flächenversiegelung
sowie die Verbesserung der ökologischen Situation
ein. Das Umweltforum bedauert, dass diese nicht neue
Aussage der Parteien bislang zu keinem greifbaren Ergebnis
geführt hat und im Gegenteil erst kürzlich
eine Reithalle mitten im Aufeld genehmigt wurde. Die
scheibchenweise vollzogene Zerstörung des Aufelds
muss beendet werden, fordern die Umweltverbände.
Die großen Freiflächen
des Bösfeld, Mühlfeld, Niederfeld,
Kloppenheimer Feld und Hermsheimer Feld sind unentbehrliche
Landschafts- und Frischluftgebiete für Mannheim
sowie die Lebensräume des streng geschützten
Feldhamsters. Dem Erhalt dieser Freiflächen stehen
beabsichtigte Bauvorhaben (Fußballstadion, Sport-
und Messepark) entgegen. Alle Parteien bekennen sich
zum Erhalt der Freiflächen. Allerdings relativiert
die Mannheimer Liste dies durch die Einschränkung
„größtenteils“. Die CDU gibt
an, sich für die Freiflächen einzusetzen,
„wenn sie sinnvolle Bauvorhaben nicht behindern“.
Das Umweltforum ist gespannt, wie sich dieses Bekenntnis
zum Freiraumschutz auf die Planungen auswirken wird.
Bislang unterstützte die Mehrheit des Gemeinderates
mit Ausnahme der Grünen und der Linken die Bauvorhaben
in diesem Grünzug (SAP-Arena), so dass hier bereits
großer Schaden angerichtet wurde.
Die Forderung für ein gentechnikfreies
Mannheim unterstützen die Grünen,
die Mannheimer Liste (mehrheitlich) und die Linke. Die
CDU legt sich nicht fest und meint, dass die Entscheidung
nicht in der Kompetenz des Gemeinderates liege. Die
SPD-Fraktion verweist darauf, dass es derzeit keine
abschließende interne Meinungsbildung gebe. Interessanterweise
unterstützen 12 der 13 SPD-Kandidaten, die auf
die Wahlprüfsteine antworteten, die Initiative
für ein gentechnikfreies Mannheim. Man darf gespannt
sein, wie eine Abstimmung über diesen Punkt im
nächsten Gemeinderat ausfallen wird. Die Initiative
wird bereits von 40 baden-württembergischen Kommunen
und Landkreisen unterstützt.
Detaillierte
Auswertung der Wahlprüfsteine (pdf, 250 kb).
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