Heizkesselmodernisierung
Seit dem 1.1.2009 dürfen
gas- oder ölgefeuerte Zentralheizungen, die
vor dem 1.10.1978 gebaut wurden, gemäß
§ 9 der Energieeinsparverordnung (EnEV) nicht
mehr betrieben werden. Ausnahmen gibt es für
eigengenutzte Ein- und Zweifamilienhäuser.
Neben den gesetzlichen Bestimmungen
sprechen jedoch auch wirtschaftliche Gründe
für den Austausch des alten Kessels. Die
meisten älteren Heizkessel warten nur mit
äußerst schlechten Wirkungsgraden auf.
Anstatt seiner eigentlichen Aufgabe nachzugehen
und Wärme zu produzieren, jagt der Kessel
einen großen Teil der eingesetzten Energie
in Form von Kohlenmonoxid und -dioxid, Stickoxiden
und Abwärme durch den Schornstein.
Zum Vergleich: Während
Altanlagen meist nur Jahreswirkungsgrade (dieser
gibt an, wieviel Prozent des eingesetzten Brennstoffes
wirklich für die Beheizung genutzt wird)
von 62% aufweisen, überzeugen moderne Neuanlagen
mit Jahresnutzungsgraden von 90% (Niedertemperaturkessel).
Mit der sogenannten Brennwerttechnik liegen die
Wirkungsgrade nochmals 10% höher, da hier
zusätzlich die Energie des im Abgas enthaltenen
Wasserdampfes genutzt wird.
Wichtig bei einer Heizungsmodernisierung
sind auch die Frage des Schornsteins, eine sinnvolle
Art der Warmwasserbereitung oder die Wahl des
Energieträgers. Lassen Sie sich am Besten
schon vor Ausfall des Kessels über die vielfältigen
Modernisierungsalternativen beraten. Im Falle
eines Austausches der Heizungsanlage steht neben
der Erneuerung auch ein Systemwechsel von Öl
auf Gas bzw. Fernwärme oder der Einsatz erneuerbarer
Energieträger, z. B. Holzpellets,
offen.
Unabhängig, ob Öl
oder Erdgas zum Einsatz kommen, sollte ein Brennwertkessel
eingesetzt werden. Bei dieser Technik wird durch
einen zusätzlichen Wärmetauscher die
Kondensationswärme, die bisher nutzlos durch
den Schonstein verpuffte, an das Heizwasser übertragen.
Das dabei anfallende Kondensat kann bei kleineren
Gasbrennwert-Anlagen ohne besondere Auflagen in
das häusliche Entwässerungssystem eingeleitet
werden. Bei Öl-Brennwertgeräten muss
das "saure" Kondensat vorab neutralisiert
werden.
Der Vorteil moderner Heizungskessel,
dass sie durch geringe Verluste brillieren, kann
zum Verhängnis für so manch alten Schornstein
werden: Der Schornstein hat "gezogen",
weil Abgastemperaturen der alten Kessel entsprechend
hoch waren. Bei der neuen Kesselgeneration wurden
die Verluste und damit die Abgastemperaturen jedoch
wesentlich verringert, so dass die Wärmeinhalte
der Rauchgase der neuen Heizkessel sehr gering
und die Querschnitte der Kamine um 50% zu groß
sind. Somit kühlt das Abgasvolumen zu stark
ab, Wasserdampf kondensiert und schlägt sich
an der Schornsteinwand nieder, die Wandungen durchfeuchten.
Man spricht von einer „Versottung“,
die sich rasch von oben nach unten ausbreitet
und letztendlich den Schornstein zerstört.
Zur Schadensverhütung bieten sich mehrere
Lösungen an. Von der günstigen Alternative
der nachträglichen Wärmedämmung
(oft jedoch nur Teilerfolge) bis zum Einziehen
eines (z.B. aus Edelstahl gefertigten) Rohres
sind verschiedene Maßnahmen möglich.
Weitere wichtige Punkte,
die bei einer Heizungsmodernisierung zu beachten
sind:
Einbau einer neuen Regelung,
die optimal eingestellt werden muss; nur so stellen
Sie sicher, dass die gewünschte Energieeinsparung
auch eintritt. Lassen Sie sich in die Bedienung
der Regelung einweisen.
Im Rahmen einer Heizungsmodernisierung
sollte auch die Anbindung der Warmwasserbereitung
an den Kessel erwogen werden. Kommt eine Solaranlage
in Frage, sollte man an einen solartauglichen
Speicher denken!
Neutrale Test von Brennwertkesseln
finden Sie bei der Stiftung Warentest.
Unser Tipp für Sie: Denken
Sie bei einer Heizungsmodernisierung auch gleich
über Ihre Möglichkeiten zur Verbesserung
der Wärmedämmung
von Wänden, Dach
und Fenstern nach. Bei
richtiger Dämmung wird auch die Heizung kleiner
und günstiger!
Dipl.Ing. Oliver Decken
15.6.2009
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