Die Wand atmet - ein fataler Irrtum
Ungedämmte Außenwände
aus Mauersteinen werden oftmals als „atmende
Außenwände“ bezeichnet. Ihnen
wird angedichtet, sie könnten Feuchte- und
Schimmelschäden vermeiden helfen und ein
gutes Innenraumklima sicherstellen. Mit dem Begriff
„atmende Wände“ ist nicht der
direkte Luftaustausch durch die Wand hindurch
gemeint, sondern die Diffusion des Wasserdampfes
durch das Mauerwerk. Über Wasserdampfdiffusion
werden jedoch höchstens 2 % der Raumfeuchtigkeit
abgegeben. Die restlichen 98% werden durch regelmäßiges
Lüften nach draußen abgegeben. Die
Wände selbst aber müssen luftundurchlässig
sein, um Behaglichkeit zu schaffen und Energie
zu sparen. Wer sich also auf die „Atmung“
der Wände verlässt, wird folglich in
einem sehr feuchten, ungesunden Raumklima leben
müssen.
Es wäre auch schlimm,
wenn unsere Außenwände durchfeuchtet
würden, denn jeder Bauhandwerker weiß:
Feuchtigkeit in Bauteilen kann großen Schaden
anrichten. Die Schäden treten besonders dort
auf, wo ein Bauteil in seinem Querschnitt nach
außen hin sehr kalt wird, also an schlecht
gedämmten Gebäuden. Ähnlich wie
bei der alten Einscheibenverglasung, an der Tauwasser
herunterlief, tritt dann auch im Inneren von Bauteilen
im Winter ein solcher Kondensationsprozess ein.
Eine Außendämmung
der Fassade ist hier ein gutes Hilfsmittel, welches
die Temperatur im Wandquerschnitt erhöht
und Tauwasser verhindert. Nur bei der Innendämmung
muss die Tauwasserfreiheit oftmals durch eine
raumseitige Dampfbremse erzeugt werden. Die Wärmedämmstoffe
für die Dämmung von innen oder außen
sind in der Regel diffusionsoffene, d.h. feuchtedurchlässige
Baustoffe. Mineralfasern und nachwachsende Dämmstoffe
sind ähnlich durchlässig wie Luft.
Die gedämmte Wand "atmet"
also in der Regel genauso viel oder wenig wie
die ungedämmte Wand. Niedrigenergiehäuser
und nachträglich gut gedämmte Altbauten
verhindern Bauschäden, haben eine hohe Wohnbehaglichkeit
und verbinden dies mit Energieeinsparung und Umweltentlastung.
Dem gegenüber findet man in der schlecht
gedämmten Bausubstanz mit "atmenden
Wänden“ häufig Mängel.
Weitere Tipps gibt die "Mannheimer
ÖkoBaufibel".
Wir danken der regionalen
Klimaschutzagentur KLIBA für die freundliche
Überlassung dieses Energiespartipps (Link:
www.kliba-heidelberg.de)
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